Stand August 2026 · Kennwerte und Grenzwerte, keine Energieberatung

U-Wert Fenster: 1,3 ist Pflicht, 0,95 bringt Förderung

Zwei Zahlen entscheiden über jedes Fensterangebot in Deutschland. Die eine steht im Gesetz und darf nicht überschritten werden, die andere steht in den Förderbedingungen und entscheidet über 15 bis 20 Prozent Zuschuss. Beide meinen den Uw-Wert des kompletten Elements, nicht den Glaswert aus dem Prospekt.

Kurzantwort: Beim Fenstertausch im Bestand schreibt Anlage 7 zu § 48 GEG höchstens Uw 1,3 W/(m²·K) vor. Die BEG-Förderung verlangt seit Jahren strenger höchstens 0,95 — das schafft nur Dreifachverglasung. Gemeint ist immer das ganze Fenster aus Glas, Rahmen und Randverbund, nie die Scheibe allein.
Makro-Querschnitt einer Fensterecke: drei Glasscheiben mit goldenen Abstandhaltern in einem Rahmen aus mattem Ton, kaltes Licht links, warmes rechts
Der Wert misst, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied durch das Bauteil wandert — vom kalten zum warmen Ende.

Vier Kürzel, und nur eines gehört ins Angebot

Der Wärmedurchgangskoeffizient sagt, wie viel Watt je Quadratmeter Bauteilfläche bei einem Grad Temperaturunterschied nach außen abfließen. Klein ist gut. Verwirrend wird es, weil vier verschiedene dieser Koeffizienten am selben Fenster hängen und Prospekte gern den schönsten davon zeigen.

KürzelBezieht sich aufTypischer Bereich heute
Ug (glazing)Scheibenmitte, ohne Rand und Rahmen0,5 – 0,7 bei Dreifachglas
Uf (frame)nur das Rahmenprofil0,9 – 1,4 je Profilsystem
Psi-gWärmebrücke am Glasrand, je Meter Randlänge0,03 warme Kante · 0,08 Aluminium
Uw (window)fertiges Element, alles zusammen0,8 – 1,3 je nach Aufbau

Rechtlich und förderrechtlich zählt ausschließlich die letzte Zeile. Steht in einem Angebot nur eine Zahl ohne Index, ist das ein Grund zur Rückfrage — welche Angaben sonst noch fehlen dürfen und welche nicht, steht unter Fenster-Angebote vergleichen.

Was das Gesetz verlangt: die Höchstwerte aus Anlage 7 GEG

Wer im Bestand Fenster erneuert, löst damit eine Anforderung des Gebäudeenergiegesetzes aus. Die folgenden Werte gelten für Wohngebäude und für beheizte Zonen ab 19 Grad; sie stehen seit Januar 2024 unverändert im Gesetz und gelten auch 2026.

Bauteil bei ÄnderungHöchstwert WohngebäudeBemerkung
Fenster und FenstertürenUw 1,3der Normalfall beim Komplettaustausch
DachflächenfensterUw 1,4etwas milder wegen Einbaulage
nur Verglasung erneuertUg 1,1alter Rahmen bleibt stehen
SonderverglasungUw oder Ug 2,0etwa Schallschutz- und Brandschutzgläser
Sonderverglasung, nur GlastauschUg 1,6eigener Wert für den Scheibenwechsel
VorhangfassadeUc 1,5Fassadenelement statt Einzelfenster
Glasdächer2,0Wintergarten und Lichtband

Alle Angaben in W/(m²·K), Quelle: Anlage 7 GEG, abgerufen im August 2026. Die Anforderung entfällt nur bei Bagatellfällen unter zehn Prozent der jeweiligen Bauteilfläche. Wer eine Sonderverglasung braucht, findet die Preisseite unter Schallschutzfenster: Kosten.

Warum die Förderung 0,95 verlangt und nicht 1,3

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude fördert keine Mindesterfüllung, sondern einen Sprung über das Ordnungsrecht hinaus. Für Fenster im Wohngebäude liegt die technische Mindestanforderung deshalb bei Uw 0,95 W/(m²·K). Der Abstand zur gesetzlichen Grenze ist kein Zufall: 1,3 erreicht ordentliche Zweifachverglasung, 0,95 zwingt zum dritten Glas.

Der Zuschuss der Einzelmaßnahme liegt 2026 bei 15 Prozent der förderfähigen Kosten, mit einem individuellen Sanierungsfahrplan kommen fünf Prozentpunkte dazu. Voraussetzung bleiben ein Gebäude, dessen Bauantrag mindestens fünf Jahre zurückliegt, und die Einbindung einer oder eines Energieeffizienz-Experten vor Auftragsvergabe. Antragsdetails und Fristen stehen unter Fensterförderung 2026, die Preisdifferenz zwischen zwei und drei Scheiben unter Dreifachverglasung: Kosten.

Wie aus 0,6 im Prospekt 0,85 im Angebot wird

Uw ist ein Flächenmittel. Glas, Rahmen und Glasrand gehen mit ihrem jeweiligen Anteil ein, nach DIN EN ISO 10077-1 gilt vereinfacht: Uw = (Glasfläche mal Ug plus Rahmenfläche mal Uf plus Randlänge mal Psi-g) geteilt durch die Gesamtfläche. Durchgerechnet an einem Standardelement von 1230 mal 1480 Millimeter mit 117 Millimeter Rahmenbreite:

GrößeAnsatzErgebnis
Gesamtfläche1,23 mal 1,48 m1,820 m²
Glasfläche0,996 mal 1,246 m1,241 m²
RahmenflächeRest der Elementfläche0,579 m²
GlasrandlängeUmfang der Scheibe4,48 m
Anteil Glas1,241 mal Ug 0,60,745 W/K
Anteil Rahmen0,579 mal Uf 1,10,637 W/K
Anteil Glasrand4,48 mal Psi-g 0,0350,157 W/K
Uw des ElementsSumme geteilt durch 1,8200,85

Aus einer Scheibe mit 0,6 wird also ein Fenster mit 0,85. Das ist kein Etikettenschwindel, sondern Bauphysik: Rahmen und Glasrand dämmen schlechter als die Scheibenmitte, und beide zusammen belegen hier ein Drittel der Fläche.

Zwei Varianten, die dieselbe Förderschwelle reißen

Interessant wird die Formel, wenn man an einer einzigen Stellschraube dreht und alles andere gleich lässt. Beide folgenden Fälle nutzen exakt dieselbe Scheibe und dasselbe Rahmenprofil wie oben.

VarianteWas sich ändertUw
Referenz1230 mal 1480 mm, warme Kante0,85 — gefördert
Sparvariante RandverbundAluminium-Abstandhalter statt warmer Kante0,96 — knapp raus
Kleines Element600 mal 600 mm, warme Kante1,06 — deutlich raus

Der Randverbund kostet je Element einen mittleren einstelligen Eurobetrag und entscheidet hier über den Zuschuss auf die ganze Position. Und das kleine Badfenster verliert nicht wegen schlechterer Technik, sondern weil bei 60 mal 60 Zentimeter der Rahmen fast zwei Drittel der Fläche einnimmt. Genau deshalb steht in Förderzusagen der elementbezogene Wert und nicht die Prospektzahl. Wie stark der Preis je Element mit der Größe springt, zeigt Fensterpreise nach Größe.

Was ein besserer Wert im Jahr wirklich spart

Die ehrliche Überschlagsformel für eine Bestandssanierung lautet: eingesparte Heizwärme gleich Differenz der U-Werte mal Fensterfläche mal rund 84 Kilowattstunden je Quadratmeter und Kelvin im Jahr. Der letzte Faktor ist die deutsche Heizgradstundenzahl, umgerechnet auf ein Jahr.

PositionAnnahmeWert
BestandIsolierglas aus den AchtzigernUw 2,8
NeuDreifachglas, förderfähiger AufbauUw 0,9
FensterflächeReihenhaus, acht Elemente12 m²
Heizwärme weniger1,9 mal 12 mal 841.915 kWh im Jahr
Erdgas dafürNutzungsgrad 85 Prozent2.253 kWh
Kostenwirkungbei 11 Cent je Kilowattstunderund 248 Euro im Jahr

Diese Zahl ist eine Obergrenze, keine Garantie. In der Praxis fällt der Effekt zehn bis zwanzig Prozent kleiner aus, weil Dreifachglas auch weniger Sonnenwärme hereinlässt und weil dichtere Fenster ein anderes Lüftungsverhalten verlangen. Umgekehrt steigt der Betrag mit jedem Cent Energiepreis. Der eigentliche Hebel liegt selten in der Amortisation allein, sondern in Zugluftfreiheit, warmer Scheibenoberfläche und dem Ende des Tauwassers am Glasrand.

Fünf Stellen, an denen der Wert im Angebot verrutscht

  • Ug statt Uw ausgewiesen. Der häufigste Fall. Eine Position mit „0,6 Wärmeschutzglas" beschreibt die Scheibe, nicht das Fenster, und sagt über die Förderfähigkeit nichts aus.
  • Referenzmaß statt deinem Maß. Datenblätter rechnen mit 1230 mal 1480 Millimeter. Kleine Elemente liegen schlechter, große besser — verbindlich ist die elementbezogene Angabe.
  • Randverbund nicht benannt. Ohne die Angabe zur warmen Kante fehlt ein Zehntel des Ergebnisses. Steht sie nicht drin, gehört sie nachgefragt.
  • Einbausituation ausgeblendet. Der beste Kennwert nützt wenig, wenn der Anschluss zur Laibung Wärmebrücken behält. Wie der Anschluss geplant wird, steht unter Fenster ausmessen.
  • Ein Wert für alle Positionen. Balkontüren, Festverglasungen und Dachfenster haben eigene Werte. Eine Sammelangabe über zwölf verschiedene Elemente ist ein Schätzwert im Anzug.

Die Themenübersicht dieser Insel steht im Ratgeber; die Preisseite zum Gesamtprojekt unter Fenster Kosten 2026.

Häufige Fragen

Welcher U-Wert ist beim Fenstertausch vorgeschrieben?

Beim Austausch von Fenstern in einem bestehenden Wohngebäude gilt nach Anlage 7 zu § 48 GEG ein Höchstwert von Uw 1,3 W/(m²·K) für das gesamte Element. Für Dachflächenfenster sind es 1,4. Wird nur die Scheibe im alten Rahmen getauscht, liegt die Grenze bei Ug 1,1. Diese Werte sind Pflicht und gelten unabhängig davon, ob Fördermittel beantragt werden.

Warum steht im Prospekt 0,5 und im Angebot 0,9?

Der Prospektwert ist meist der Glaswert allein. Maßgeblich ist der Wert des fertigen Fensters, und in den fließen zusätzlich das Rahmenprofil und die Wärmebrücke am Glasrand ein. Beide sind schlechter als die Scheibenmitte, deshalb liegt das Elementergebnis regelmäßig 0,2 bis 0,4 Punkte über der Prospektzahl.

Reicht Zweifachverglasung für die BAFA-Förderung?

Nein. Die Bundesförderung verlangt bei Fenstern im Wohngebäude höchstens 0,95 W/(m²·K), und diesen Wert erreicht in der Praxis nur Dreifachverglasung. Guter Zweifachaufbau landet als fertiges Element bei etwa 1,1 bis 1,3 und erfüllt damit zwar das Gesetz, nicht aber die Förderbedingung.

Gilt der U-Wert aus dem Datenblatt auch für mein Fenster?

Nur bedingt. Hersteller geben ihn üblicherweise für ein Referenzelement von 1230 mal 1480 Millimeter an. Bei kleineren Fenstern steigt der Rahmenanteil, und derselbe Aufbau kommt auf ein deutlich schlechteres Ergebnis. Ein Bad- oder Kellerfenster kann die Förderschwelle reißen, obwohl das Datenblatt sie einhält. Verbindlich ist die Angabe in der Auftragsbestätigung.

Rechtsstand August 2026. Gesetzliche Höchstwerte nach Anlage 7 GEG; Förderanforderung und Zuschusssätze nach den Bedingungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen. Rechenbeispiele sind eigene Überschlagsrechnungen nach der vereinfachten Formel der DIN EN ISO 10077-1 und ersetzen keine Nachweisführung. Keine Rechts- oder Energieberatung.

Nächster Schritt

Wer 0,95 einhalten will, landet bei Dreifachglas und warmer Kante. Was dieser Aufbau je Element und für das ganze Haus kostet, gibt der Rechner als Korridor aus — inklusive Briefing, mit dem alle angefragten Betriebe dieselbe Grundlage bekommen.